Campingplaetze

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Ein paar Campingplaetze hab ich ja nun mittlerweile hinter mir. Die Spanne reicht dabei von sehr weit unten bis ueberraschend teuer. Die Bilder sind jetzt nur von meinem aktuellen Camper in Cazorla in Andalusien.

Um ihn direkt mal als Beispiel zu nehmen : Ein sehr verwinkelter, terrassenfoermiger Platz, nicht wirklich geeignet fuer Gespanne oder groessere Mobile. Alter Baumbestand, Wiesen, alles sehr idyllisch, deswegen bin ich nun auch schon zwei Naechte hier und werde auch mindestens noch eine weitere Nacht bleiben. Aber man waere ja kein Deutscher, wenn man nicht das Haar in Suppe suchen und finden wuerde.

Es gibt fuer den ganzen Platz zwei Maennertoilletten und zwei Frauentoilletten, vier Duschen und vier Waschbecken. Das ist fast ein bisschen viel Idylle. In die Toiletten darf auch kein Papier geworfen werden, statt dessen in den dort befindlichen Muelleimer. Es gibt zwei Stellplaetze, die direkt an zwei der Toilettentueren angrenzen, direkt. Auch da hat die Idylle enge Grenzen.

Ich habe etwas mehr Glueck, ich stehe eine Terrasse tiefer, darf sogar als Einziger (!) meinen Wagen auf der Parzelle parken, dafuer kann ich recht genau mitprotokollieren, wann da oben jemand auf Toillette war und ob die Person Vegetarier oder Fleischesser war. Im Gegenzug kann ich allerdings auch die unterschiedlichen Duschgels den aus dem Waschhaeuschen zurueckkehrenden Leuten zuordnen. Die Entwaesserung muss irgendwo entlang des Hauptweges verlaufen.

Der Pool sieht huebsch aus, ist meist frei und hat die Temperatur eines guten Mojitos. Wer dort hinein geht, hat keine Durchblutungsprobleme mehr, so oder so.

Trotz allem einer der wenigen Plaetze, auf denen ich mehr als eine Nacht verbracht habe, einfach weil viele andere Dinge wirklich schoen sind. Man ist fusslaeufig in Cazorla. Wenn die Sonne untergegangen ist, halb neun, kehrt hier Ruhe ein. In der ersten Nacht gab es irgendwo im Tal noch bellende Hunde, die haben sich aber gestern Nacht gegenseitig zerfleischt, nach einem kurzen Intermezzo war Ruhe.

Durch die fehlende Moeglichkeit mit den dicken Spiessermobilen hier hoch zu kommen, gibts meist nur Zeltcamper oder kleinere Busse. In meiner Nachbarschaft steht noch ein T4 und drei Zelte. Keine Wohnwagen mit 1,2m Satellitenschuessel und laermendem Shoppingkanal. Keine randalierenden Kinder. Kein Technogeboeller in der Nacht. Der Spass ist nicht soo billig, 14€/Nacht, aber da hab ich schon teurer und schlechter gestanden.

Zum Beispiel der Camper am Rio Mundo. Der Spass hat 18€/Nacht gekostet. Die Duschen waren gut und sauber, WLAN war umsonst. Aber es gab auch nur eine grosse Wiese, kein Sichtschutz in irgendeiner Form, man konnte vom einen Ende des Platzes zum anderen schauen. Dazu eine Gruppe ungezuegelter Teenies, die durch die Jungendschwerhoerigkeit entsprechend laute Mukke laufen hatten und sich eben deswegen auch entsprechend lauter unterhalten mussten.

Fuer die 18€ gab es auch keinen uebermaessigen Service, das Restaurant war geschlossen, Mini-Shop ebenfalls. Das versprochene Baguette am Morgen war nicht zu erwerben, vielleicht waere das ab 10 Uhr gegangen, aber da hatte ich bereits gepackt, weil in der Zwischenzeit sowohl die Teenies als auch mein Fluchtinstinkt erwacht waren.

Ganz anders der Camper davor, El Tranquilo. Adults only. Oha, dachte ich. Alles kann, nichts muss? Maenner im Lederstring? Nein, ein ganz normaler, sehr neuer Campingplatz. So neu, dass die frisch gepflanzten Hecken noch keinen Schatten gespendet haben. Vorteil : der Kaffee wird nicht kalt. Restaurant am Abend, Bierchen auch Mitnahme zum Zelt, Baguette am Morgen. Das alles fuer 28€, also Uebernachtung, drei Humpen Bier, Abendessen und Baguette zusammen. Ganz so tranquil war der Camper dann zwar nicht, erst nachdem die giggelnden, hollaendischen Rentnerinnen nebst Gatten den Weg in ihre jeweiligen Wohnwagen gefunden hatten.

Der Touri-Camper noerdlich von Alicante war da eine ganz andere Nummer. Aus jeder zweiten Parzelle bloekte ein unbeaufsichtigter Fernseher. Kinder und Vaeter, die des Nachts Fussball auf der Nachbarparzelle spielen. Alleingelassene Hunde, die den ganzen langen Tag bellen koennen, ohne heiser oder muede zu werden. Selbsternannte Shoppingparzellen, auf denen Strickwaren heimischer Herstellung feilgeboten wurden. Dafuer allerdings halt auch eine funktionierende Infrastruktur, mit Restaurant und Mini-Shop, super sauberen Waschhaeusern und das alles direkt am Mittelmeerstrand. Halt alles was der verwoehnte Camper fortgeschrittenen Alters so braucht. Man durfte den Campingplatz nur nicht verlassen, zumindest nicht zu Fuss. In direkter Nachbarschaft gab es nur Brachland und Bausuenden. Man musste dann schon bis nach Denia fahren, um in Urlaubsstimmung zu kommen.

Die franzoesischen Plaetze fand ich in der Summe besser. Haeufig gab es eine Hecke zwischen den Parzellen. Das erleichtert das Umziehen. Bei der Mehrzahl der Plaetze gab es Restaurants. Die bislang einzige Paella haben wir auf einem franzoesischen Campingplatz bekommen. Es gab immer mindestens Baguettes am Morgen. Irgendwie hab ich mich dort wohler gefuehlt. Vielleicht war es auch die etwas bessere Kommunikation. Spanisch kann ich ueberhaupt nicht, von Cerveza Tanque abgesehen. Franzoesisch geht noch halbwegs, zumindest was das Logistische angeht. Smalltalk wird dann schnell anstrengend, wenn die Vokabeln fehlen.

In Finnland und Schweden war von vornherein klar, hier gibts nichts zu essen oder zu kaufen. Dafuer gab es immer eine Kueche, die man benutzen konnte. Meistens sogar einen Kuehlschrank. Alles sehr gepflegt und sauber. Und nicht teurer, als hier in Suedeuropa. Einer der besten Plaetze war in Schweden, auf einer Halbinsel an einem See. Der Platz hat 10€/Nacht gekostet. Wenn das Wetter etwas mehr mitgespielt haette, vor allem weniger windig, haette ich das dort sehr viel laenger ausgehalten als nur zwei Naechte. Ein anderer toller Platz war in Finnland, in der Naehe des Koli Nationalparks. Ein Pinienwald direkt am dortigen See, dazu die in diesem Sommer vorherrschenden Temperaturen. Es hatte fast karibischen Charme. Dies war allerdings ganz am Anfang meiner Reise. Ich war da noch etwas getrieben und wollte weiter in den Norden.

Grundsaetzlich sind die Campingplaetze deutlich besser geworden, als noch zu den Zeiten, als ich mit Motorrad und Iglu unterwegs war. Ich erinnere mich an diverse Camping Municipal in der franzoesischen Tiefebene, die nicht mehr als ein Stueck Acker mit Dixiklo waren. Vielleicht findet man das auch heute noch, aber man muss dann schon danach suchen. Irgendwas ist immer, ist klar. Das muss aber nicht am Platz oder dessen Betreiber liegen. Da reicht schon der boese Nachbar, dass es einem nicht mehr gefaellt.

Ich habe nun noch einen Monat Zeit. So weit in den Sueden werde ich vorerst nicht wieder kommen, also sollte ich das ausnutzen. Hier ist es immerhin noch Sommer. Morgen, Freitag 28.09.2018, werde ich wohl weiterfahren, Ziel noch unklar.

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