
Im Juli 2021 haben wir uns ein interessantes Wohnwagenkonzept angesehen, hergestellt bei einer kleinen Manufaktur in Baden-Wuerttemberg. Im Oktober 2022 konnten wir von dem Kauf erfolgreich zuruecktreten.
Aber der Reihe nach.
Der Plan war, einen Wohnwagen zu finden oder bauen zu lassen, der
- bezahlbar ist
- keine Chemietoilette enthaelt
- keinen Kuehlschrank enthaelt
- gasfrei ist, also
- keinen Gaskocher
- keine Gasheizung
- keine Gastherme fuer Dusche
- kurz ist
- aber dennoch viel Platz bietet oder es zumindest geraeumig erscheinen laesst
Die Quadratur des Kreises? Vielleicht.
Wir hatten zwei Wohnwagen in der engeren Auswahl, den Adria Action und den Swift Basecamp. Beide haben leider die komplette Ausstattung mit Dusche, Chemieklo, Absorberkuehlschrank, etc. Aber immerhin, die beiden Wohnwagen sind kurz, erzeugen aber dennoch durch die Raumaufteilung und die grosszuegigen Fenster keine bedrueckende Enge im Innenraum.







Dann haben wir einen Bericht ueber THECUBER und deren Adventure gesehen. Der Adventure ist ein rechteckiger Kasten-Wohnwagen, den man sich so ausstatten kann, wie man ihn haben will. Gasfrei und ohne Chemieklo.
Man kann einen Kuehlschrank und eine Dusche haben, wenn man es will. Man kann es aber auch weglassen. Ich habe eine Kuehlbox, ich brauche keinen teuren Kuehlschrank im Wohnwagen, nur einen Platz um die Kuehlbox unterzubringen. Ich habe einen Gaskocher und einen Benzinkocher, ich brauche keine fest-montierten Gaskochfelder im Wohnwagen, ich koche eh lieber draussen. All dies konnte man beim Adventure festlegen.
Obendrein und das war der zweite wichtige Bereich : der Adventure hat eine riesige Heckklappe, also das gesamte Heck ist Klappe. Damit kann man dann drinnen sitzen, hat aber einen grossen Ausblick und fuehlt sich nicht wie in einem Sarg, auch wenn der Wohnwagen selbst sehr klein ist. Die Preise waren ebenfalls nicht komplett abschreckend, in der Mitte zwischen Adria Action und Swift Basecamp.
Also, alles top.





Einzig das Bett war noch ein Punkt, der beim Vor-Ort-Termin im Juli 2021 nicht abschliessend geklaert werden konnte. Normalerweise wird ein Hub-Bett eingebaut, aber das kam fuer uns nicht infrage. Wir wollten im Grunde die Betten so haben, wie im Basecamp, also zwei gegenueberliegende „Sofas“, die mit einem Auszugs-Lattenrost zu einem Bett verbunden werden koennen. Das gibt es so aber nicht, da ist die Flexibilitaet dann auch irgendwann zu Ende.
Die Kommunikation war schon damals etwas zaeh. Es wurden Vorschlaege in Aussicht gestellt, die uns nach der Messe XY unterbreitet werden sollten. Man wuerde sich bald mit einem Vorschlag melden. Schwierige Kommunikation. Zaeh. Es hat von Juli bis November 2021 gebraucht, bis man soweit war, einen Auftrag schreiben zu koennen.
Im Januar 2022 haben wir die Anzahlung geleistet. Mitte Mai gab es dann die Nachbesprechung vor Produktionsstart, bei der vieles nochmal ueber den Haufen geworfen wurde. Einiges war nicht so moeglich, wie im Auftrag festgehalten, z.B. weil sich Tueren mangels Platz nicht oeffnen liessen, Oberschraenke versetzt werden mussten, etc. Auch die Betten waren nochmal Thema. Man hat sich am Ende fuer zwei Sitzbaenke mit Lattenrost entschieden.
Im Juli 2022 kam dann die Vollzugsmeldung, der Wagen kann abgeholt werden.
Bei der Abholung wurden wir ins Fahrzeug eingewiesen und haben das Fahrzeug auch gewogen. Aber nur das Gewicht unter den Reifen. NICHT DAS GEWICHT AN DER DEICHSEL. Grosser Fehler.
Beim Design wurde mir gesagt, dass der Wagen vorne schwer werden wuerde und dass ich dann gegenladen muss. Das war mein erster Fehler. Ich haette konkret nachfragen muessen. Wie schwer wird er denn vorn werden?
Ich bin kein Wohnwagenbauer. Wenn ich ein Fahrzeug bekomme, dass an der Deichsel 100 kg wiegen darf, gehe ich davon aus, dass das leere Fahrzeug auch diese 100 kg nicht ueberschreitet.
Defacto hat der leere Wagen an der Deichsel 140 kg gewogen.
Bei der Uebergabe wurde uns gesagt, dass die Deichsel 65 kg schwer sein soll. Wir haben es nicht nachgewogen, wie gesagt, grosser Fehler. Ich unterstelle hier keine boese Absicht, nur halt Unkenntnis. Man hat uns auch so vom Hof fahren lassen. Das finde ich allerdings schon grenzwertig.






Aufgefallen ist uns das erst in Hamburg, weil das Stuetzrad beim Rangieren auf der Parzelle sehr Richtung Erdmittelpunkt strebte. Durch massives Gegenladen von insgesamt 150 kg haben wir das Deichselgewicht auf die fuer unser Auto erlaubten 90 kg druecken koennen.
In dieser Form ist das ein sehr teures Gartenhaeuschen.
Wir haben das unverzueglich reklamiert. Durch Zufall hat sich eine Ruecktransportmoeglichkeit ergeben, so dass wir den Wagen nur ca 100 km an einen Uebergabeort bringen mussten.
Uns wurde in Aussicht gestellt, dass man den Deichselkasten mit der Dieselstandheizung entfernen und einen Hecktraeger anbringen koennte. Damit wuerde das Deichselgewicht in normale Bereiche kommen.
Ab diesem Zeitpunkt wurde die auch bislang schon sehr zaehe Kommunikation noch schlechter. Man erreicht auf der Firmentelefonnummer haeufig nur die Handymailbox der Mutter oder halt niemanden. Auf der Firmenmailadresse bekommt man nur eine automatische Antwort.
Es gab dann sporadische Reaktionen. Der Hecktraeger sei noch in der Homologation. Bilder koennten leider keine gezeigt werden, damit kein Konkurrent zuvor kommt. Bis zum Caravan Salon Duesseldorf 2022 sollte das aber fertig sein.
War es leider nicht.
Die letzte Info kam im Oktober, dass die Homologation fuer den Hecktraeger noch nicht durch ist und man auch kein Timing geben koennte. Daraufhin sind wir dann vom Kauf zurueck getreten.
Wir haben den Kaufpreis zurueck erhalten. Das ist auf jeden Fall sehr erleichternd.
Auf den Kosten fuer die Folierung, Anmeldung, Eintragung MT-Reifen, Versicherung, Abmeldung, Reisekosten und Hoteluebernachtung bei Abholung sind wir natuerlich sitzen geblieben. Und wir haben ueber ein Jahr Zeit verloren, in der die Preise gerade im Campingsegment weiter gestiegen sind.
Ich sehe meinen Teil der Schuld an der Situation durchaus. Ich haette konkrete Zahlen verlangen muessen. Was heisst, der wird schwer auf der Deichsel? Wie schwer? Und natuerlich haette ich den Wagen bei der Abholung auch an der Deichsel wiegen muessen. Und mich nicht auf die genannten 65 kg verlassen duerfen. Wir hatten die Waage ja in der Hand. Sehr aergerlich.
Dennoch, einen Wagen zu bauen, der leer 140 kg auf die Deichsel bringt, bei einem im Fahrzeugschein hinterlegten Maximalgewicht von 100 kg, ist keine Glanzleistung. Aus Reflex 65 kg Deichselgewicht bei der Uebergabe zu nennen, ebenfalls nicht. Uns damit vom Hof fahren zu lassen, erst recht nicht.
Aber was mich komplett fertig gemacht hat, war die Kommunikation. Da gibt man jemandem sein gesamtes Erspartes und noch mehr. Und dann telefoniert und mailt man sich nen Wolf, um Antworten zu bekommen. Da hab ich mich sehr allein gelassen gefuehlt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Rechtsschutzversicherung. Das hab ich tatsaechlich bereut. Ob Lenssen auf der Gegenseite uebernommen haette, waere mir dann egal gewesen.

Hallo. Die Berichte im Blog sind schön zu lesen, wobei das Ergebnis natürlich in diesem Fall echt traurig war. Was für eine Enttäuschung. Aber was habt ihr jetzt? Anderen Wohnwagen? Camper? Was ist es letztendlich geworden? Hierzu wäre ein Folgeartikel schön zu lesen. VG T.
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